Mein Weg aus der Essstörung – Mein Weg zu mir – Mein Weg zum veganen Food

Jetzt bin ich also 33…..Wenn man mich vor 10 – 15 Jahren gefragt hätte, wo ich mit 33 stehen möchte, oder werde… hätte ich vermutlich von einem Haus im Grünen am Rande einer Großstadt & einer Familie geträumt, wohlwissend das ich mich zu dem Zeitpunkt eher allein und depressiv auf der Couch gesehen habe und mir auch viele Jahre nicht vorstellen konnte, dass sich das jemals ändert….. Es ist nicht so, dass ich mir dieses Leben nicht immer noch gut vorstellen kann, oder wünsche … Aber manchmal läuft es halt alles anders und das muss nicht immer schlecht sein….Aber zurück zu damals! 

Essen war mein Feind…. zu diesem Zeitpunkt und auch noch viele weitere und vorherige Jahre kämpfte ich mit einer hartnäckigen Bulimie. Der so genannten Ess-Brechsucht. Um genau zu sein hat mich das ganze 12 Jahre aktiv begleitet. Heute kann ich drüber sprechen, weil ich akzeptiert habe das es eben ein Teil von mir….ein Teil meiner Geschichte ist.

Wie ich da so rein rutschte, kann ich heute schwer erklären. Als leicht mopplige Jugendliche begann alles mit einer Radikaldiät, die mir sehr viel Lob und Anerkennung einbrachte und dann nahm alles seinen Lauf… Insbesondere die ersten 3 Jahre waren die schlimmsten meines Lebens. Ich verlor 2 Ausbildungsstellen, musste mich einschließen lassen um nicht mehrfach täglich den Kühlschrank zu plündern, trank täglich literweise Glaubersalzlösungen… Ich war blass, krank und schlapp.

Sommer 1999 beim Grillen gab es für mich Salat mit Ketchup

Mein Gewicht war ein auf und ab & alles drehte sich um Nahrungsmittel, deren Kalorien und diese irgendwie wieder loszuwerden. Ich will gar nicht noch näher ins Detail gehen, aber es war die Hölle.. Soziale Kontakte und Verabredungen habe ich gemieden, Nahrung aufnehmen vor Leuten war fast unmöglich, oder mit großen inneren Qualen verbunden. Andrerseits zwang man mich oft dazu, weil man glaubte das half mir…Dabei sind sehr viele Freundschaften und Beziehungen zerbrochen. Das ständige zurückziehen hatte seine Folgen und traf auf immer weniger Verständis. Einsamkeit war die Folge…. Therapien brach ich immer wieder ab, nicht zuletzt weil ich mich arrangiert hatte und es zwischendurch auch immer mal wieder bessere Phasen gab. In den schlimmen Phasen wo ich nicht mehr konnte und wollte , konnte mir das Gesundheitssystem immer wieder nur Wartezeiten von mehren Monaten anbieten. Aber dann war da immer irgendwas was nicht passte….Neue Ausbildung, es ging gerade mal wieder besser …etc…..Vor 12  Jahren startete ich dann so richtig ins Berufsleben, fand meine erste große Liebe , zog zu ihm in  eine Großstadt in der ich mich anonym fühlte und es wurde vieles besser….Aufgrund meiner Vorgeschichte stand ich allerdings unter einen starken Außendruck von Familie, Kollegen & Freunden und mutete meinen kaputten Stoffwechsel zu viel zu und  ich ging schnell auseinander wie ein Hefekloß und merkte es nicht einmal. Daran sieht man mal wozu Diäten und hungern führt, nämlich zu einem kaputten Stoffwechsel. Ich kann nämlich nicht behaupten das ich übermäßig kalorisch gelebt habe zu dem Zeitpunkt…nahm aber in kürzerster Zeit 15 Kilo zu. Eigentlich ist genau  das passiert, wovor Essgestörte so eine große Panik haben. Verrückterweise fühlte ich mich dennoch irgendwie  gar nicht so unwohl damit damals.  Heute hat das Bild allerdings eine extrem abschreckende Wirkung auf mich. Mit Gesundheit hatte das Leben nichts zutun. Auch zu dem damaligen  Zeitpunkt triumphierte die Bulimie sehr häufig. Ich hatte einfach keine Vorstellung mehr für das richtige Maß. 

Festival 2003🙈

Erst nach einer Trennung und einem seeelischen Tief fiel ich wieder tiefer in den Sumpf der Bulimie. Irgendwann war klar, du musst was ändern. Ich versuchte mit akribischer, für mich damals gesunder Ernährung, die so fettarm und süßstoffhaltig wie möglich war ….mein Gleichgewicht zu finden und integrierte Sport in mein Leben. Ich verlor auf diesem Wege auch einiges an Gewicht , beschäftigte mich dennoch Rund um die Uhr mit dem Thema und es gab immer wieder bullimische Phasen, die aber zunehmend weniger wurden. Ich begann wieder ein soziales Leben zu führen. Es war ein längerer Prozess der über mehrere Jahre ging, aber irgendwann stand Gesundheit für mich im Vordergrund und so entwickelte sich meine Ernährung nach und nach tasächlich gesünder. Ich aß wenig Fleisch, viel Gemüse, versuchte zuckerarm zu leben, vermied chemische Süßstoffe und hörte auf Kalorien zu zählen und begann das Leben wieder mehr zu genießen . Ich habe auch einfach irgendwann meinen Körper angefangen zu akzeptieren und begonnen zu spüren was ihm gut tut, oder auch nicht. Große Ausreißer wie Süßigkeiten, Kuchen oder Eis verbot ich mir dennoch jahrelang.

Sommer 2007/2008

Ganz zufrieden war ich dennoch nie, aber wer ist das schon….. Und um eines vorweg zu nehmen, auch heute bin ich mal mehr und auch mal weniger zufrieden mit dem was da vor dem Spiegel steht und das obwohl ich in der Form meines Lebens bin. Dennoch wünsche ich mir auch aktuell wieder mehr Muskeln und etwas weniger Körperfett. An dem Ziel arbeite ich aber nun gesund und schlemmend. Ich möchte nie wieder auf Genuss verzichten,  denn mittlerweile weiß ich was für ein hohes Gut das ist. 

Im Jahr vor der 30 passierte dann ganz viel bei mir. Nach einem privaten Tiefschlag und der kommenden 30, brauchte ich eine neue Richtung denn  ich wollte einfach glücklicher werden. Ja es war die typische Selbstfiindungsphase, die man wohl als Frau da so durchläuft. Das Buch Eat, Pray, Love hat dann irgendwie das übrige zum Wandel beigetragen. In der wahren Geschichte bricht eine Frau mit ihrem bisherigen Leben und findet mit genussvollen Essen, reisen und Glaube zu ihrer Selbstliebe. Passenderweise verbrachte ich meinen 30. Geburtstag allein mit diesem Buch auf Ibiza und es ging mir so nah …..das es einen großen Anteil hatte, an dem was fortan passierte. Weil all das innerlich so viel in mir bewegte und mich auf den richtigen Weg brachte, habe ich mich später auch zu einer Tätowierung entschieden, die genau das ausdrückt . Genuss, Leben genießen & Selbstliebe❤️Ich begann an mir zu arbeiten , arbeitete die Essstörung in einer Therapie auf und wurde von Tag zu Tag zufriedener und vor allem sportlicher. Nach dem 3. Fleischskandal in dem Jahr begann ich einfach mal komplett auf Fleiech zu verzichten, was mir nicht besonders schwer fiel. Und  einige Wochen später fiel mir das Vegan for Fit Buch in die Hände und irgendwie klang es spannend sich mal auszutesten & ich legte einfach los. Ich hatte nie das Ziel vegan zu bleiben, ehrlich gesagt empfand ich das bis dahin als unmöglich und sehr einschränkend. Aber dann passierte es irgendwie … Ich schlemmte , futterte viel Süßes aus den Büchern (Süßigkeiten waren für mich vorher tabu) , ich fühlte mich leicht und fit und mein Körper definierte sich fast von ganz allein. Ich liebte es  auch schon vorher zu kochen , aber fortan genoss ich jede Minute in der Küche , lebte meine Kreativität dort aus, erkundete viele neue mir unbekannte Lebensmittel & liebte es  für andere zu kochen und mit ihnen zu essen. Dieses Ernährungskonzept hat mein Leben verändert und so viel lebenswerter gemacht❤️

Wer mag kann auch gerne meine Buchrezession dazu lesen : 

https://healthvegangirl.wordpress.com/2016/02/21/vegan-for-fit%e2%9d%a4%ef%b8%8f-30-tage-challenge%e2%9d%a4%ef%b8%8f/

Rund um die Challenge 2013  Ich lernte also zu schlemmen, zu genießen und mich trotzdem irgendwie leicht und fit zu fühlen und das ist das kostbarste Gut nach über einem Jahrzehnt Schinderei an meinem eigenen Körper ….und all das strahlte ich an Lebensfreude plötzlich aus. Die vielen Komplimente, dass man sah wie glücklich ich bin … Das hat auch die Veganskeptiker ganz schnell beeindruckt und neugierig gemacht. Niemals habe ich erwartet, dass Essen wieder mein Freund werden kann, doch es ist passierte und es ist passierte mit einer Ernährungsform, die ich vorher wie viele andere aus Unwissenheit nur belächelt habe.

Bis heute bin ich überwiegend vegan & relativ nah am Vegan for Fit Konzept, weil es mir einfach gut tut. Diese Lebensfreude und das gute Gefühl, neben einer sehr viel besseren Gesundheit wollte ich mit anderen teilen und sie motivieren und so kam es zu meinem Social Media Doppelleben. Es begann mit einer Facebookgruppe mit Gleichgesinnten aus der auch ich meine komplette Motivation zog. Bis heute begleiten mich einige tolle Motivierer auf meinem Weg 🙂Anfrangs war es für mich schwierig hier die Balance zwischen gesund und zu einnehmend zu finden. Schließlich sollte doch ein gesundes Leben im Fokus stehen und ich wollte nicht wieder in eine verbissene kranke Haltung stürzen. Aber das ist nicht passiert , im Gegenteil.. Seit dem Tag an dem ich die Challenge vor 3,5 Jahren begann ……habe ich nie wieder aktiv mit der Bulimie zutun gehabt und ich bin wahnsinnig stolz darauf einen so gesunden Weg für mich gefunden zu haben, mein Leben in vollen Zügen zu genießen & mich zu lieben. Es hat eine Weile gedauert bis ich meine Geschichte….mein neues überwiegend veganes Leben auch in meinem privaten Umfeld offen teilen konnte. Aber jetzt kann ich es und fühle mich mit 33 angekommen bei mir❤️

Anfang 2015

So konsequent ich auch hier wirke, gibt es auch bei mir immer wieder Phasen in denen Sport und Ernährung vernachlässigt werden. Aktuell nach Uraub, Steess und Krankheit fühle ich mich auch nicht pudewohl weil Definition verloren gegangen ist und ich sicher auch 1,2 Kilo zugenommen habe.  Aber wiegen tue ich mich nicht mehr und verlasse mich schon lang nur noch auf den Spiegel.

Aktuell


Mittlerweile sind mir Muskeln und Definitionen auch deutlich wichtiger, als ein extrem schlanker Körper. Ich hätte gern wieder die Form von 2014/2015. Aber halt nicht mehr um jeden Preis! Ich nehme mir die Zeit, die es braucht! 
Durch OP und längere Krankheit ( die übrigens durchaus Spätfolgen meiner Bulimie sein können) und Medikamenteneinnahme rückte das ganze gesunde Leben im letzen Jahr wieder etwas in den Hintergrund. Aber nun wird wieder daran gearbeitet. Ich fühle mich einfach sehr viel wohler wenn Sport, Healthfood , gepaart mit genussvollen  Ausnahmen mein Leben bereichern❤️ 

Ich habe lange überlegt meine Geschichte so offen zu kommunizieren. Wohlwissend das auch Freunde, Familie & Kollegen dieses lesen werden, denen all das so nicht bekannt ist. Vor nicht all zu langer Zeit hätte ich die Blicke und Fragen nicht ertragen können , jetzt weiß ich das es einfach ein Teil von mir ist auf den ich sehr Stolz bin und mit dem ich vielleicht auch anderen Mut machen kann und vor allem hoffe ich anderen deutlich machen zu können, wie unwichtig die Zahl auf der Waage doch ist❤️

 

 

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