Diary Part 4 – Mein verzerrtes Spiegelbild

Auch wenn der Weg in die schlimmste Phase ein Prozess über Monate war, ging irgendwie alles so rasend schnell und fließend. Jeder Tag war ein einziger Horrortrip. Essen kotzen, essen kotzen … Ich war am Ende meiner Kräfte und gab auf es zu verstecken…. Wenn ich in die Augen meiner Mutter sah, sah ihre Verzweiflung und ihre Sorge, aber wir sprachen nicht mehr über dieses Problem, so wie wir nie über Probleme sprachen…. Ich wollte aufhören, aber ich konnte nicht.. Es ging so weit, dass ich darum bettelte, die Küche zu verschließen, denn selbst nachts ging der Kreislauf weiter… In einer dieser Nächte saß ich auf dem kalten Fußboden des Badezimmers und wollte nicht mehr so weiter machen und lieber wieder Hungern, anstatt so zu leben, aber es ging nicht mehr,  ich musste ständig essen.

Ich war zu diesem Zeitpunkt mager, blass und krank, aber im Spiegel sah ich einen anderen Menschen. Es klingt wirklich unglaublich, aber wenn ich im Spiegel sah, sah ich nicht dieses hagere, blasse Mädchen, sondern eine stabile junge Frau. Als mir plötzlich Hosen in Größe 32 passten, war das wie ein Rausch für mich, verstehen konnte ich es aber nicht und redete mir ein, dass es an dem besonderen Schnitt der Kleidung liegen musste. Ich erinnere mich noch genau an diesem Tag, an dem ich ungläubi

Auch später nachdem ich 30 Kilo zugenommen hatte, sah ich bei jedem Blick in den Spiegel einen anderen Menschen. Auch da sah ich eine stabile junge Frau, aber nicht das bis dahin erreichte Ausmaß.  Ich sah mich verzerrt und auch noch heute ist es in manchen Phasen unwirklich was ich sehe. Es half mir tatsächlich viele Jahre später noch, täglich ein morgendliches Bild von mir zu machen und immer wieder anzusehen , oder mir damit in Sportgruppen online Bestätigung zu holen. Denn ein Foto zeigt mir noch heute manchmal etwas ganz anderes, als das was der Spiegel mir zeigt. Oftmals verbergen sich hinter Menschen mit Selfies keine selbstverliebten Menschen, sondern Menschen voller Unsicherheiten…

Ich glaube das sehr viele Menschen an einer solchen Körperstörung leiden und das Essstörungen, Sportsucht, aber auch Kaufsucht Symtome sind, die die dieses ausdrücken. Das Aussehen ist die Schutzmauer für das fehlendes Selbstbewusstsein und fehlende Selbstliebe. All das stopft irgendwelche Löcher, die wir in uns tragen, doch so sehr wir uns bemühen ist es immer nur ein kurzer Rausch und man braucht  mehr…. Sicher steckte ich in Sachen Sport- und Kaufsucht nie so tief drinnen, wie bei der Bullimie, aber auch hier gab es Phasen mit sehr ungesunden Ausmaß.  Es gab Zeiten in der ich für fast jedes Wochenende neue Kleidung kaufte, um mich zumindest einigermaßen zu ertragen, oder mich einfach mit Konsum belohnte,  für das was mir im Inneren fehlte. Sport war viele Jahre Mittel zum Zweck und nicht wie heute ein wichtiger Ausgleich für mein Wohlbefinden.,Wobei auch da muss ich ehrlich sein, gerade jetzt wo ich seit  10 Monaten keinen Sport treiben kann, fehlt mir diese Struktur und das Mittel zum regulieren meiner Genüsse und das zeigt mir dann doch auch hin und wieder, wie fließend der Weg zu einem essgestörrten Verhalten und vor allem Denken ist und das man es nie richtig los wird, aber lernen kann damit überwiegend gesund zu leben. Gesund ist es, seine eigenen Grenzen zu erkennen und in der Lage zu sein diese zu wandeln….

 

 

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